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Zur Geschichte der Gehörlosen in Sachsen

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Die Geschichte der Gehörlosen in Sachsen gibt es selbstverständlich, seit hier Gehörlose leben. Die Gehörlosengemeinschaft, die sich als sprachliche und kulturelle Minderheit versteht, kämpft seit ihrem Bestehen für die Anerkennung als gleichberechtigter Teil der Gesellschaft. Dieser Kampf brachte es mit sich, dass im Bemühen um öffentliche Beachtung verschiedene Organisationen gegründet wurden.

Zuerst bildeten sich örtliche Vereine. So wurde 1864 in Leipzig der Verein "Allgemeiner Taubstummenverein zu Leipzig" gegründet. Zwei Jahre später, 1866, gründete Friedrich Moritz Hötzold in Dresden die Taubstummengesellschaft "Hepata".

Im Jahr 1900 erfolgte ein überörtlicher Zusammenschluss in Plauen/ Vogtland zum "Sächsischen Taubstummen - Bund". Sitz des „Sächsischen Taubstummen – Bundes“ war Leipzig, sein Vorsitzender war viele Jahre der Leipziger Mitbegründer Robert Sandig. Ziele der Gründung waren zum Beispiel die Sorge um das geistige, leibliche und geistliche Wohl der Gehörlosen und der Bau eines Heimes für arbeitslose, alte und schwache gehörlose Menschen.

Im „Sächsischen Taubstummen – Bund“ gab es keine Vereinsmitgliedschaft, wie wir sie heute kennen. Jeder interessierte Gehörlose konnte Mitglied werden und auch an den jährlich stattfindenden Bundestagungen teilnehmen.

Später wurden aus Kostengründen nur noch Delegierte zu den Tagungen zugelassen. Die finanziellen Mittel des Sächsischen Taubstummen - Bundes waren sehr begrenzt. Der Jahresbeitrag betrug im Jahre 1904 nur 50 Pfennige. Zusätzlich versuchte man, über Lotterien Gelder zu erhalten.

1913 konnte durch eine Großspende des Kommerzienrates Friedrich Falk das bei Gründung des Sächsischen Taubstummen Bundes geplante Taubstummenheim gebaut werden. Eingeweiht wurde es von Pastor Hermann Gocht, dem langjährigen Seelsorger der Zwickauer Gehörlosen. Heute existiert das gerade sanierte Heim als „Hermann- Gocht- Haus“ der Stadtmission Zwickau e. V. und beherbergt Gehörlose, taubblinde und mehrfach behinderte Menschen.

Eine zweite sächsische Organisation war der Fürsorgeverein im Königreich Sachsen, der von Lehrern der sächsischen Taubstummenanstalten Dresden und Leipzig gegründet wurde. Leiter dieses Vereins waren Hörende. Die Ziele des Fürsorgevereins waren denen andere Einrichtungen für Gehörlose ähnlich. Große Beachtung des Fürsorgevereins galt der Ausbildung von gehörlosen Menschen in einem Beruf. Durch das Engagement des Vereins konnten gehörlose Handwerker in Sachsen bei Eignung den Meisterbrief erhalten.

Der Dresdner Hofrat Jencke hatte schon vor Gründung des Fürsorgevereins ähnliche Einrichtungen ins Leben gerufen, die nun von dem neuen Fürsorgeverein übernommen und erweitert werden sollten. Ziel der Bemühungen war es, mit der Gehörlosenproblematik in die Öffentlichkeit zu gehen und die volle Anerkennung gehörloser Menschen in der Gesellschaft zu erreichen. Zeitungen und Zeitschriften von und für Gehörlose sollten diese Ziele befördern. So wurde schon 1899 vom Taubstummenlehrer H. Lehm die "Deutsche Taubstummen - Korrespondenz" in Leipzig gegründet und herausgegeben.
Nach der besonderen großen Leidenszeit der Gehörlosen während der Hitlerzeit wurde die Verbandsstruktur neu aufgebaut. Aber erst 1957 nahmen die Bezirksorganisationen Leipzig, Dresden, Chemnitz und Dresden ihre Arbeit auf. Das Vereinsleben Gehörloser war zu DDR- Zeiten nach sozialistischen Prinzipien ausgerichtet. Manche Gehörlose, die nicht für die DDR und den Sozialismus waren, mussten in dieser Zeit viel Ungerechtigkeit ertragen.

Die damals bestehenden und genannten Bezirksorganisationen wurden nach Ende der DDR zusammengefasst. Unter großem Engagement von Martin Domke ist schließlich am 09.06.1990 der Landesverband der Gehörlosen Sachsen e.V. gegründet worden. Unser Landesverband sieht sich in der Tradition des 1900 gegründeten „Sächsischen Taubstummen- Bundes“

Martin Domke war langjähriger 1. Vorsitzender und steht uns heute als Ehrenvorsitzender mit Rat und Tat zur Seite. In seiner Amtszeit als 1. Vorsitzender wurde der Nachteilsausgleich für Gehörlose in Sachsen erkämpft.

Nach Martin Domke war Wolfgang Bachmann für eine Wahlperiode (Mai 2006 bis Mai 2010) der 1. Vorsitzende des Landesverbandes.

 

Seit Mai 2010 setzt sich nun Jens Langhof als 1. Vorsitzender für den Landesverbandes ein.



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