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„selbstbestimmt! Die Reportage"

Logo MDREin besonderes Projekt der Redaktion Religion und Gesellschaft des MDR

 

Für die Sendereihe „selbstbestimmt! Die Reportage" hat der MDR einen Film mit dem Titel „Ersatzteil im Kopf - Möglichkeiten und Grenzen des Cochlea-Implantats" (mit Untertitel) produziert.

 

Erstausstrahlung am 02.07.2017; 08:00 Uhr / Wiederholung am 03.07.2017; 02:50 Uhr

 

 

 

Ersatzteil im Kopf - Möglichkeiten und Grenzen des Cochlea-Implantats

 

Ein Film von Elke Thiele

 

Es gibt sie seit mehr als 20 Jahren - Chochlea-Implantate. Eines von 1000 Kindern wird mit einem starken Hörschaden geboren, es ist eine der häufigsten Behinderungen bei Neugeborenen. Für sie ist das Cochlea-Implantat die Standardversorgung mit der Verheißung auf ein normales Leben. Auch ertaubte Erwachsene und Schwerhörige profitieren von den Implantaten. Inzwischen tragen 50 000 Menschen in Deutschland die Technik im Kopf - Tendenz steigend. Doch der Erfolg darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Hörprothese kein Allheilmittel ist.

 

Benni hat seine Implantate in den ersten Lebensmonaten bekommen. Etwa 50% der Kinder erreichen mit dem Cochlea-Implantat tatsächlich eine ähnliche Sprachentwicklung wie normalhörende Kinder, für sie ist das ein Segen. Doch Benni gehört zur anderen Hälfte der CI-Kinder, die mit den Implantaten nicht ausreichend hören und sprechen lernen. Für Bennis Mutter war es keine Frage: Ihr Kind soll zusätzlich die Gebärdensprache lernen. Für zahlende Ämter aber gilt die CI-Versorgung als Allheilmittel, mit dem sie teure und langwierige Gebärdensprachkurse, Dolmetscher, Schulassistenzen etc. sparen. Erst nach jahrelangen Kämpfen bekommt die Familie das persönliche Budget für die Gebärdensprachförderung bewilligt.

 

In Deutschland wurden erst vor 15 Jahren mit dem Behindertengleichstellungsgesetz die Grundlagen zur rechtlichen Anerkennung der Gebärdensprache geschaffen. Seitdem haben Gehörlose Anspruch auf Dolmetscher bei Behörden, vor Gericht oder beim Arzt.

 

Steffen Räder aus Pirna ist gehörlos aufgewachsen. Er hat mit 12 Jahren ein Cochlea-Implantat bekommen, das aber nach wenigen Jahren wieder gewechselt wurde. Es hieß, es gäbe eine neue Technik ohne lästiges Kabel und so ließ er sich auf die Operation ein. Doch mit dem zweiten Gerät konnte er kaum etwas  verstehen und nutzte es schließlich nicht mehr. Als bei einem Arbeitsunfall vor vier Jahren das Implantat beschädigt wurde, ließ er es explantieren. Bis heute leidet er unter Tinnitus und Kopfschmerzen.

 

Für Jonas Enzmann und Enno Park dagegen bedeuten die Hörprothesen ein großes Plus an Lebensqualität. Jonas geht auf ein normales Gymnasium und betreibt Leistungssport. Enno Park gehört zu den Spätertaubten und kann dank der Cochlea-Implantate fast so gut hören wie früher. Der Informatiker und Publizist hat die Verschmelzung von Mensch und Maschine zu seinem Spezialgebiet gemacht, er begleitet die Diskussion um die Zukunft der Medizintechnik auch kritisch.

 

Das Cochlea-Implantat ist ein großer Gewinn - da sind sich alle Protagonisten einig - solange es nicht blind macht für die zweite Seite der Medaille. Es wird immer Menschen geben, denen die Medizintechnik nicht helfen kann -  und ihnen müssen alle Maßnahmen zur Barrierefreiheit zugänglich sein.

 

 

 

 



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